Vom Metallbearbeiter und
Feinmechaniker zum Automatisierungsspezialisten

Wie wurde Balluff zu dem, was es heute ist?
Die Antwort liefert ein Blick zum Werkzeugmaschinenhersteller
HELLER im benachbarten Nürtingen.

Wer weiß, vielleicht würde Balluff heute immer noch Feinwerkzeuge und Spätzlepressen herstellen, wenn da nicht diese eine Frage gewesen wäre – damals, Anfang der 1950er Jahre: Der Werkzeugmaschinenhersteller HELLER aus Nürtingen wollte von Eduard Hermle wissen, ob sich seine Feinmechanik-Firma Balluff in Neuhausen den Bau und die Weiterentwicklung eines Schaltgerätes zutraut. HELLER war auf der Suche nach einem Produktionspartner für elektromechanische Steuerelemente für elektrische Steuerungen. Die Schalter sollten eine hohe Schaltgenauigkeit haben und Hellers neueste Fräsmaschinen-Generation so noch präziser machen. Hermle schaute sich mit seiner Mannschaft die Pläne an, überlegte kurz und nachdem die Konditionen ausgehandelt waren, antwortete er mit einem klaren „ja“.

Ob sich der Firmenchef an jenem Tag über die Tragweite seiner Zusage im Klaren war, ist nicht überliefert. Fest steht jedoch, dass Eduard Hermle mit seiner damaligen Entscheidung die Basis für die komplette Neuausrichtung seiner Firma gelegt hat. Die Zusage an HELLER hat aus seinem schwäbischen Betrieb für Metallbearbeitung und Feinmechanik im Laufe der Zeit ein weltweit führendes Unternehmen für Automation und Sensorik gemacht. Hermle und seine Mitarbeiter bei Balluff, die bis zu diesem Zeitpunkt nichts mit dem Thema Automatisierung am Hut hatten, haben ihr Herz in die Hand genommen, auf ihr Fachwissen vertraut und die vielleicht wichtigste Tugend im Geschäftsleben an den Tag gelegt: unternehmerischen Mut.

Von der Hydraulik zur Elektronik

So kam es, dass Balluff 1956 mit der Produktion des ersten Nockenschalters (BNS) in Neuhausen begann – im Auftrag von HELLER. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine elektromechanischen Schaltgeräte für elektrische Steuerungen, die in der Umgebung und unter den Umweltbedingungen einer Werkzeugmaschine funktioniert hatten. Man denke dabei nur an fliegende Metallspäne, spritzendes Kühlmittel oder auch thermische und mechanische Belastungen – allesamt Einflüsse, bei denen Schalter schnell kaputt gegangen sind. Vor diesen Herausforderungen standen die beiden Partner Balluff und HELLER.

 

 

100 Jahre Balluff: Balluff Nockenschalter
Der Balluff Nockenschalter BNS

Der BNS erfüllte die Grundanforderungen als Teil einer präzisen elektrischen Steuerung – auch in rauen Umgebungen. Zu diesen Anforderungen gehörte ein geringer Verschleiß dank präziser Mechanik, eine hohe Schaltgenauigkeit im Bereich von unter 0,01 Millimeter, eine lange Lebensdauer mit mindestens zehn Millionen elektrischen und mechanischen Schaltungen sowie einer Dichtheit (IP67) gegen aggressive Medien wie Bohrwasser und Kühlflüssigkeit. Eduard Hermle und seinem Team bei Balluff gelang es, die Vorgaben der Nürtinger zu erfüllen – etwa durch die absolut dichte Verkapselung des Schaltergehäuses. Dafür hat Hermle sogar ein Patent erhalten.

„Mit seinen Entwicklungen war mein Vater absoluter Vorreiter und gehörte zu den Pionieren der industriellen Automation in der Werkzeugmaschinenindustrie“, sagt Rolf Hermle, der das Unternehmen von seinem Vater übernommen und bis Ende 2009 geführt hat. Das erste BNS-Modell wurde um weitere Bauformen erweitert und unter der Produktbezeichnung Reihengrenztaster RGT national und international vermarktet.

Dieses Zusammenspiel von Balluff und HELLER war übrigens nicht nur die Initialzündung für den unternehmerischen Erfolg von Balluff. Die aus dieser Partnerschaft heraus entstandenen Technologien und Innovationen haben den grundlegenden Wandel von der Hydraulik zur Elektronik im Maschinenbau eingeleitet und richtungsweisend begleitet.

„Balluff ist immer noch ein sehr guter und wichtiger Partner für uns. Der Sensor- und Automatisierungsspezialist bietet ein flexibles und breites Produktprogramm, das er kontinuierlich weiterentwickelt.“

Manfred Maier, Chief Operating Officer der HELLER Gruppe

Partnerschaft auf Augenhöhe

Die beiden Unternehmen arbeiten auch heute noch – nach mehr als 60 Jahren – partnerschaftlich zusammen. HELLER nutzt ein sehr breites Produktportfolio von Balluff wie etwa RFID, IO-Link-Lösungen oder Vision-Sensoren. Gemeinsam führt man Technologiegespräche und lotet dabei Industrietrends aus. HELLER stellt auch regelmäßig sein Maschinenumfeld bereit, in dem Balluff seine Neuentwicklung marktnah erproben kann. „Seit vielen Jahren pflegen wir mit Balluff eine solche vertrauensvolle und gute Zusammenarbeit“, sagt Manfred Maier, COO der HELLER Gruppe. „Gemeinsam arbeiten wir an Themen wie der Digitalisierung im Maschinenbau. Balluff ist hier ein sehr guter Partner, denn der Sensor- und Automatisierungsspezialist bietet ein flexibles und breites Produktprogramm, das er kontinuierlich weiterentwickelt.“

Es war also gut, dass HELLER damals diese Frage gestellt hat und es war gut, dass Eduard Hermle damals diese Entscheidung getroffen hat. Seine Voraussicht und der Einsatz seiner vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat Balluff zu dem gemacht, was das Unternehmen heute ist: weltweit führend in den Bereichen Automation und Sensorik. Und der nächste große Schritt hin zur Digitalisierung ist bereits in vollem Gange – und auch hier ist Balluff wieder vorne mit dabei. Das aber ist eine andere Geschichte.

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