Schlips und weg

Die Krawatte als Teil der Geschäftsmode wird mehr und mehr durch einen lockeren Stil ersetzt. An manchen Anlässen ist sie trotzdem nicht wegzudenken. Eine kleine Geschichte über die Geschäftsmode von damals und heute.

Kennen Sie das? Wenn man sich bestimmte Dinge mal unabhängig vom Gesamtbild ansieht, kommen sie einem manchmal seltsam vor. Krawatten zum Beispiel. Ist es nicht urkomisch, dass ein solch länglicher Schlips, am Ende zum Dreieck geformt, in mitunter seltsamen Farbkombinationen seinen Träger plötzlich total seriös wirken lässt? Vor 30 Jahren fielen Geschäftsmänner noch auf, wenn sie keine Krawatte trugen. Heute ist es eher andersrum.

Bei Balluff Firmengründer Gebhard Balluff war sicherlich anfangs auch noch der Arbeitsanzug gang und gäbe – schließlich begann das Unternehmen als Reparaturwerkstatt. Aber spätestens seit sein Schwiegersohn Eduard Hermle in das Geschäft mit einstieg, gehörten Krawatte und Anzug zur Arbeitskleidung. So auch bei den nachfolgenden Generationen. „Es war absolut normal, jeden Tag Krawatte und Anzug zu tragen“, erzählt Rolf Hermle, Enkel des Unternehmensgründers. „Es war ein Zeichen von Respekt. Im Arbeitsalltag und vor allem auch bei Messen.“ Bei Balluff trugen die Herren im Arbeitsalltag noch lange Zeit Anzug und Krawatte, in der Branche änderte sich das allmählich gegen Ende der Neunzigerjahre. Mehr und mehr wurden Anzug und Schlips durch Hemden, Poloshirts oder lässigere Blazer ersetzt. „Ein Nachteil dieser Entwicklung: Ein beliebtes Geschenk für die Herren fiel weg. Denn wenn einem gar nichts einfiel, eine Krawatte ging immer“, sagt Hermle.

Ist es nicht urkomisch, dass ein solch länglicher Schlips, am Ende zum Dreieck geformt, in mitunter seltsamen Farbkombinationen seinen Träger plötzlich total seriös wirken lässt?

Dabei darf man nicht vergessen, dass Krawatten speziell am Balluff Hauptsitz in Neuhausen eine besondere Bedeutung haben, denn der Ort auf den Fildern ist eine der Hochburgen der schwäbisch-alemannischen Fasnacht. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist es am „schmotzigen Dunschtig“, also dem Donnerstag vor Aschermittwoch, Brauch, dass die Frauen den Männern die Krawatte als Symbol der männlichen Macht abschneiden. So also auch bei Balluff, denn viele der Mitarbeiter sind Teil dieser Tradition. Heute ist der „schmotzige Dunschtig“ wohl einer der wenigen Tage, an dem die Männer Krawatte tragen. Viele erscheinen mit Sakko, aber ohne Krawatte („business casual“) oder mit Hemd, Jeans und Sneaker („casual chic“) zur Arbeit. Dennoch gehören Anzug und Krawatte bei besonderen Anlässen nach wie vor ins Business-Repertoire – zum Beispiel auf Messen.

Was für die Männer die Krawatte war und ist, ist für Frauen das Kostüm. Auch hier gilt: zu besonderen (Arbeits-)Anlässen – warum nicht. Im Alltag gibt es heute viele lässigere Kombinationen.

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