Schnell scheitern, schnell lernen

Balluff setzt mit der Gründung strategischer Inkubationsprogramme für das Innovationsmanagement auf Geschwindigkeit und konsequente Kundenorientierung.

Der Tag eines Strategic Incubation Managers beginnt früh, montags und donnerstags in der Regel um 7:30 Uhr. Die Stimmung ist trotzdem heiter, schließlich haben die „SIM“, so nennen sich die Strategic Incubation Manager, Spaß an ihren Projekten – und am gegenseitigen Austausch. Und der steht zweimal die Woche eben um 7:30 Uhr im Kalender. Dabei geht es um Fragen wie: Woran arbeitet jeder gerade? Welche Stolpersteine gibt es? „Jeder von uns hat einen anderen Hintergrund. Der eine kommt beispielsweise aus dem Marketing, der andere hat einen großen Erfahrungsschatz im Produktmanagement. So können wir uns gegenseitig unterstützen und mit Rat und Tat zur Seite stehen“, erklärt Sebastian Köhler, einer der „SIM“. Die Strategic Incubation Manager sind die Gesichter hinter dem neuen Innovationsprogramm IDEAbiz. „Mit IDEAbiz haben wir eine Heimat für unsere strategischen Inkubationsprogramme geschaffen. Hier entwickeln wir in Start-up-Manier neue Geschäftsideen“, erklärt Balluff Geschäftsführer Florian Hermle.

Lean-Start-up-Methode

Seit Anfang 2020 treiben die Inkubationsmanager ihre Geschäftsideen voran. Dabei folgen sie der Lean-Start-up-Methode, deren Hauptaugenmerk auf Schnelligkeit liegt. Aber nicht nur das: Sie arbeiten flexibel zusammen, ohne starre Rollenbeschreibungen und Prozesse. Die Methode lebt vom regelmäßigen Feedback. So können die Teams ihre Arbeitsweise und damit ihre einzelnen Projekte, aber auch das Innovationsprogramm als Ganzes stetig verbessern. Es geht um individuelle Kompetenzen und den kontinuierlichen Austausch mit Kunden. „Wir tauschen uns mehrfach mit potenziellen Kunden aus, um deren Schmerz besser zu verstehen. So steigern wir den Nutzen des Wertversprechens unserer Lösungen“, erklärt Dr. Roland Schaefer, Vice President Innovation bei Balluff. Das kann auch dazu führen, dass eine Idee ganz ad acta gelegt wird. Nur wenn eine Lösung im iterativen Weiterentwicklungsprozess noch den Anforderungen der Kunden entspricht, wird die Idee auch weiterverfolgt.

Aktuell gibt es im strategischen Inkubationsprogramm fünf aktive Projekte. Darin erarbeiten die „SIM“ gemeinsam mit ihren Teams Lösungen für die intelligente Überwachung von Maschinen und Anlagen, Systeme zur Zustandsüberwachung und Formatverstellung sowie Verfahren für maschinelles Lernen. Das sind die fünf Programme im Detail:

Mit Hilfe des Portable Monitoring Systems lassen sich Motoren, Maschinen, Pumpen und ganze Produktionsanlagen digital überwachen. Das System beinhaltet alles, was es dazu braucht: die Hardware in Form eines Condition Monitoring Sensors und Gateways sowie die Software mitsamt Cloud-Zugang und Dashboard. Hier geht’s zum Video.

Das Condition Monitoring Toolkit (CMTK) ist ein ganzheitliches System zur smarten und wirksamen Überwachung von Maschinen und Anlagen. Damit lassen sich Maßnahmen zur Wartung oder Reparatur ergreifen, bevor es zum Maschinenstillstand und Produktionsausfällen kommt. Herzstück ist die Base Unit, ein Computer, der die Daten der Sensoren sammelt und verarbeitet. Mit Hilfe der web-basierten Software lassen sich die Zustandsdaten auf einen Blick einsehen: Video

Mit dem Smart Reordering System lassen sich Lagerbestände automatisch verwalten. Die Vorteile sind zahlreich: Manuelle Scanvorgänge werden überflüssig, die Lagerbestände lassen sich dynamisch verwalten, Pufferbestände, die Kapital binden und Platz beanspruchen, sind nicht mehr notwendig. Hier finden Sie mehr über das Smart Reordering System heraus.

Mit Hilfe eines bildgebenden Radar-Systems lassen sich verborgene und verdeckte Objekte sichtbar machen. Egal ob zur Überprüfung der Vollständigkeit in Verpackungen oder zur Erkennung von Fremdkörpern – dieses System ermöglicht den vollen Durchblick.

Diese Lösung führt den Maschinenbediener schnell und sicher durch die Formatverstellung, gewährleistet die korrekte Positionierung von Führungsschienen und den vollständig durchgeführten Wechsel von Formatteilen. So stehen die Produktionsmittel schneller wieder zur Verfügung. Jede Maschine lässt sich einfach nachrüsten – ohne Eingriff in die Maschinensteuerung.

100 Jahre Balluff: Innovationsprozess 1

Phase 1: Discovery

100 Jahre Balluff: Innovationsprozess 2

Phase 2: Validation

100 Jahre Balluff: Innovationsprozess 3

Phase 3:
Creation

100 Jahre Balluff: Innovationsprozess 4

Phase 4:
Exit

Die meisten dieser strategischen Inkubationsprogramme befinden sich aktuell in der Validierungsphase, der zweiten von insgesamt vier Stufen:

Schritt 1: die Entdeckungsphase (Discovery)

 

Am Anfang war die Idee – es geht darum, sie zu konkretisieren, auszudifferenzieren und zu verfeinern, bis schließlich ein klares Wertversprechen, die sogenannte „Value Proposition“, daraus entsteht. Die Strategic Incubation Manager entwerfen in diesem frühen Stadium auch schon ein grobes Geschäftsmodell.

 

„Bevor wir die Geschäftsidee weiterentwickeln, schauen wir uns natürlich den Markt genau an. Gibt es ähnliche Produkte? Was können sie? Und vor allem auch: Wie kann sich unsere Lösung davon abgrenzen? Auch potenzielle Kunden schauen wir uns an. Auf dieser Basis entwickeln wir dann ein Geschäftsmodell“, erklärt Dr. Ellen Wohlfart, Strategic Incubation Manager, Quick and easy format change.

 

„Gestartet sind wir mit der Vision, Unsichtbares sichtbar zu machen. In der Zwischenzeit haben wir eine technologische Lösung entwickelt und können damit bereits erste Applikationen potenzieller Kunden lösen und ihr Feedback einholen. Ich bin gespannt und freue mich auf die Rückmeldungen“, sagt Dr. Mark Eberspächer, Strategic Incubation Manager, Detection of hidden or invisible objects.

Schritt 2: die Validierungsphase (Validation)

 

Das Ziel der Validierungsphase ist, herauszufinden, ob das Wertversprechen auf dem Markt Anklang findet. Dazu stehen die Strategic Incubation Manager in engem Austausch mit Pilotkunden, testen Prototypen in realer Umgebung und verbessern sie iterativ auf Basis des Kundenfeedbacks. Besteht das Projekt diesen Realitätscheck, geht es in die nächste Phase.

„Meiner Meinung nach sind die Entdeckungs- und Validierungsphasen die wichtigsten, um sich ein Bild davon zu machen, wer der Kunde ist, wo seine Schmerzpunkte liegen und mit welchen Produkten man diesen Schmerz beseitigen kann. Aber auch später in den nächsten Phasen ist das wichtig, um auf Kurs zu bleiben“, so Sebastian Köhler, Strategic Incubation Manager, Smart Reordering System.

„Wir stehen in ständigem Austausch mit potenziellen Kunden und testen mit ihnen erste Prototypen. So können wir unser Wertversprechen laufend überprüfen und anpassen. Gleichzeitig zeigt uns das, dass wir mit dem Condition Monitoring Toolkit eine Lücke im Markt schließen“, erklärt Dr. Thomas Meißner, Strategic Incubation Manager, Condition Monitoring Toolkit.

Schritt 3: die Erschaffungsphase (Creation)

 

Das Wertversprechen ist validiert, die Zeichen stehen auf Wachstum. In der zwei- bis dreijährigen Erschaffungsphase geht es darum, das Produkt oder die Lösung bei immer mehr Kunden auszurollen und in Serienproduktion überzugehen.

„Das Portable Monitoring System ist bei einigen Pilotkunden im Einsatz. Wir haben viele positive Rückmeldungen bekommen, aber auch wertvolle Ideen und Verbesserungsvorschläge. Darauf aufbauend können wir das System weiterentwickeln und mittelfristig die Serienproduktion anpeilen“, freut sich Robert Tilch, Strategic Incubation Manager, Portable Monitoring System.

Schritt 4: die Exit-Phase

Das Produkt oder die Lösung ist am Markt etabliert, die Nachfrage steigt. Deshalb ist es in der Exit-Phase an der Zeit, die Start-up-Mentalität hinter sich zu lassen und das Produktportfolio auszubauen.

Mit IDEAbiz möchten wir vielversprechenden neuen Geschäftsideen zum Erfolg verhelfen. Erste Prototypen testen wir so schnell wie möglich am Markt. So entwickeln wir unser Portfolio stetig weiter und haben dabei immer die Bedürfnisse unserer Kunden im Blick.

Roland Schaefer, Vice President Innovation

Soweit ist es zwar noch nicht, aber nach rund einem Jahr IDEAbiz ist Zeit für ein Zwischenfazit: „Wir haben unheimlich viel erreicht, neue Geschäftsideen auf den Weg gebracht, die den Arbeitsalltag unserer Kunden erleichtern. Und wir haben dabei viel gelernt. Jeder von uns hat in so ziemlich allen Bereichen neue Erfahrungen gesammelt – sei es im Marketing, im Vertrieb oder in der Entwicklung. Dafür war auch unser Austausch untereinander Gold wert“, fasst Köhler zusammen. Das frühe Aufstehen hat sich also gelohnt!

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